Zu lieb und erfolgreich auf LinkedIn

Eck Newsletter Nr. 12 - 10.05.2021

Liebe Leser:innen,

als wichtigste Digitalplattform der Wirtschaft wird LinkedIn im aktuellen Manager Magazin bezeichnet. Immerhin sind auf ihr weltweit 740 Millionen Menschen zu finden. Gleichzeitig lautet eine Überschrift im Mai-Magazin “Soft, lieb und erfolgreich”. So sollen LinkedIn-Mitglieder sein.

Die große Freundlichkeit wird vom Autoren Philipp Alvares de Souza Soares scharf kritisiert. Bei LinkedIn herrsche “hemmungsloses Schleimen. Hohle BWL-Prosa wie Beiträge über Learnings, Purpose oder die letzte Challenge inklusive. Chefs und Kunden können schließlich mitlesen” (S.65).

Im Manager Magazin Podcast wird es noch deutlicher ausgesprochen: “LinkedIn - auf der Schleimspur zum Erfolg.

Anscheinend soll sich das Netzwerk sogar auf die Unternehmenskultur insgesamt auswirken: Denn die LinkedIn-”Gepflogenheiten sickern so immer tiefer in die Geschäftskultur vieler Branchen, Konzerne. Konzerne wie Mitarbeiter feiern Beförderungen oder die Markteinführung eines neuen Produkts wie eine Marslandung.”

Im Vergleich zur Harmoniesucht auf LinkedIn dominiere “Hass und Häme” hingegen bei Facebook und Twitter. Es scheint fast so, als wäre letzteres so manchem Journalisten lieber. Eine merkwürdige Sicht der Dinge.

Und eine sehr einfache Schwarz-Weiß-Welt, in der auf LinkedIn viel zu viel gelobt und auf Twitter nur gehated wird.

Von dieser undifferenzierten Sichtweise bin ich kein großer Freund. Aber es ist gewiss so, dass einige Nutzer:innen mit ihren Lobesgesängen auf das eigene Team und Unternehmen übertreiben und auch nerven können. Zu viel von diesem Candy Content ertrage auch ich nicht.

Wenn LinkedIn als gediegener Businessklub bezeichnet wird, “in dem sich ständig alle auf die Schluter klopfen” und sich gegenseitig loben, statt mal kritisch nachzuhaken, wird man der Plattform keineswegs gerecht. In den Kommentaren entwickeln sich mitunter gute Debatten, die journalistischen Anforderungen gerecht werden. Wer entsprechend recherchiert, bekommt über LinkedIn sehr wertvolle Informationen zu vielfältigen Themenwelten.

Neben hohlen Phrasen, in denen die eigenen tollen Erfolge gefeiert werden, findet jede:r auch ganz andere spannende Sichtweisen. Allerdings befördert der LinkedIn-Algorithmus die Allgemeinplätze allzu oft in die höhere Sichtbarkeit, weil wir das Gute, Liebe und Lobende zu bevorzugen scheinen.

Ein zu viel des Lobes kann ich trotz allem nicht hierzulande erkennen. Weder auf LinkedIn noch in der physikalischen Unternehmenswelt. Gerne dürfen diese LinkedIn-Gepflogenheiten übernommen werden: Denn Wertschätzung ist etwas Wichtiges in unserer Gesellschaft, die ich nicht als “Schleimen” abtun würde.

Ich finde es gut, wenn sich ein CEO wie Stefan Oschmann, freundlich und humorvoll in einem LinkedIn-Video von seiner Rolle bei der Merck Gruppe verabschiedet und 10 Dinge zeigt, die ein CEO an seinem letzten Arbeitstag tut. Oder wäre Ihnen eine offiziöse und langweilige Abschiedsrede lieber?

Die Gesellschaft wandelt sich. Mehr Menschen denn je sind aktiv auf Social Media und nun findet das Businessleben verstärkt auf LinkedIn statt. Daran kann ich nichts Schlechtes erkennen. Wir üben dort noch immer.

Natürlich werden wir die Selbstbespiegelungen dort irgendwann langweilig finden. Als Beimischung machen Teamlobhudeleien aber Sinn, weil sie gerade in der Coronazeit das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.

Allerdings habe ich nicht den Eindruck, dass wir alle immer nur andere auf LinkedIn loben und deren Beiträge liken. Manchmal tut es gut, ein Danke zu sagen oder zu erhalten.

Ich wünsche Ihnen viel Spass bei der Lektüre.

Ihr Klaus Eck

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